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Thomas.Conny, Jasmine & Jessica
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Brief eines kleinen Jungen an seine Mutti

Liebe Mutti!Ich kann es gar nicht erwarten, bis Du das kleine Schwesterchen heimbringst. Warum dauert es denn so lange, wenn man ein kleines Kind holt? Sind nicht genug da? Nimm das allerpfundigste Mutti, das nicht gleich plärrt, wenn man es an den Marterpfahl fesselt. Ich habe für das kleine Lottchen schon eine weiße Maus eingetauscht, sie heißt Kiki. Wenn man sie in die Hosen hineinlaufen lässt, kriecht sie am Hals wieder raus. Da wird sich das kleine Lottchen aber freuen, nicht wahr?

Seit du fort bist Mutti, finden wir überhaupt nichts mehr. Wo hast Du denn die Knopfschachtel hingetan? Ich habe das ganze Vertiko ausgeräumt, aber es war nur eine Schachtel mit lauter Plätzchen drin, solche, wie Du zu Weihnachten gebacken hast. Weil sie so hart waren, habe ich mit dem Hammer drauf geschlagen und die Trümmer in die Kaffeemühle getan. Es ist feiner Staub raus gekommen. Dann habe ich Wasser drauf gegossen und einen schönen Teig gemacht. Deine Backförmchen habe ich auch nicht gefunden. Ich habe einfach die alten Schuhcremeschachteln genommen. Als die Plätzchen fertig waren, waren sie noch viel härter als zuerst. Da habe ich sie in die Milch geschmissen und zerweicht. Geschmeckt haben sie aber prima. Schade, dass Du nicht noch mehr versteckt hast.

Als der Papa heimkam, hat er mir gezeigt, was man macht, wenn man keinen Knopf hat. Man bohrt einfach mit der Schere ein Loch in die Hose. Dann kann man den Hosenträger mit Bindfaden festmachen. Weil es besser aussieht, wenn alles gleich ist, habe ich heute die anderen Hosenknöpfe auch noch abgeschnitten und lauter Bindfaden genommen. Du brauchst mir keinen Knopf mehr anflicken, mit Bindfaden hält es viel besser. Am Sonntag war es sehr lustig. "Alter Freund und Kupferstecher" hat der Papa zu mir gesagt, heute gibt es zu Mittag Pfannkuchen. Wir wollen einmal futtern, bis wir nicht mehr können. Weil der Papa keine große Schüssel gefunden hat, hat er die Waschschüssel hergenommen. Sie war ganz voll Teig. Dann haben wir gebacken, bis es finster war. Der Papa hat jeden Pfannkuchen in die Luft gefeuert und mit der Pfanne wieder aufgefangen. Aber einer hat an der Decke geklebt, einer ist in die Kohlenkiste gesaust. Papa hat 9 Pfannkuchen gegessen, ich 5, Nero 11 und die Mieze nicht ganz 2. Wir haben immer noch 16 Pfannkuchen übrig, aber keiner frisst mehr welche.

Dann hat der Papa noch schnell meine Schulaufgaben gemacht, weil wir noch ein bisschen zaubern wollten. Der Papa kann wirklich zaubern Mutti. Er hat Deine kleine Uhr in den Maßkrug getan. Dann hat er den Kartoffelstampfer genommen und die Uhr kaputt gestampft. Dann hat er dreimal in den Maßkrug gespukt. Zuletzt hat er ihn mit einem Taschentuch zugedeckt und dreimal Hokuspokus gesagt. Dann hat der Papa gesagt, ich soll das Taschentuch wegnehmen und in den Maßkrug langen. Ich habe hineingelangt und da war die Uhr denk Dir Mutti, die Uhr war kein bisschen mehr kaputt. Als ich aus der Schule kam, habe ich die Uhr wieder in den Maßkrug getan und mit dem Kartoffelstampfer zerbröselt. Dann habe ich alles genauso gemacht wie der Papa. Als ich die Uhr herausholte, war sie aber immer noch zerbröselt. Wenn der Papa heute Abend heimkommt, muss er sie wieder ganz zaubern.

Ich habe Dir noch eine ganz große Freude gemacht, Mutti. Ich habe Deine Nähmaschine angestrichen. Mit der grünen Farbe, die noch vom Gartenzaun übrig geblieben ist. Nun sieht sie wieder wie neu aus. Also es grüßt Dich ganz herzlich
Brief eines kleinen Jungen an seine Mutti